Nachdem wir 2014 eine gute Woche lang durch ganz Österreich getourt sind und dabei Esel- und Mulihalter vor Ort beraten, trainiert und die Hufe wieder in Form gebracht haben, stand diesen April Niedersachsen auf dem Programm; denn die Anfragen aus diesem Bundesland häuften sich auffallend. Die Topthemen waren diesmal der Dauerrenner Fütterung (Hilfe meine Esel sind zu dick), die richtige Haltung (wieviel Platz brauchen meine Esel), Hufprobleme (der Esel hat Strahlfäule, Pilz und/oder White Line Disease), aber vor allem der Wunsch nach einem passenden Packsattel.

 

Die meisten Halter hatten zwar die besten Voraussetzungen, den Eseln einen wunderschönen Auslauf zu bieten, denn an Platz mangelte es bei den besuchten Kunden nie, aber Sie wussten nicht, diesen auch eselgerecht zu nutzen, da die nordischen Wiesen nun einmal nicht ihre natürliche Nahrung sind. Unser Vorschlag einen abwechslungsreichen Barhuf- und Sinnesweg zu errichten, wurde begeisternd aufgenommen.

 

Dieser könnte z. B. wie folgt aussehen: Man gestaltet einen Rundweg mit Hilfe von Pfählen und Litze, der verschiedene Stationen beinhaltet, wo der Esel seinen Salzleckstein findet, an einer anderen Stelle seinen Durst löschen kann, wieder woanders den Ästevorrat beknabbern wird, nach weiterem Hufmarsch Raufutter steht, später eine Sandkuhle zum Wälzen einlädt, viele Meter weiter eine Baumgruppe Schatten spendet oder vor Nieselregen schützt, ein hügeliger Anstieg in eine Aussichtsplattform mündet usw. und am Ziel, welches gleichzeitig auch der Start ist, der schützende Offenstall wartet.

Der Weg selber sollte idealerweise so schmal sein, dass die Eselherde in der Karawane trottet und nur in den stationären „Oasen“ die Möglichkeit besteht, zu überholen, auszuweichen oder umzukehren.

 

Je unterschiedlicher die Bodenbeschaffenheit wie Schotter, Beton, umherliegende Baumstämme, ein Stückchen Wiese usw. ist, desto besser für den Huf, Muskelaufbau, Balance, Präzision und Trittsicherheit. Man kann natürlich auch gezielt Hindernisse hinzufügen, die den Weg kreuzen, wie eine wehende Fahne, knisternde Plastikplane, Klangspiel, einen Slalomparcours, eventuell sogar ein Bachlauf der überwunden werden muss, die die anderen Sinne fördern und gleichzeitig die Gelassenheit schulen.

 

Die „Nordlichter“ waren ganz gegen die gängigen Vorurteile, sie wären eher distanziert, angenehm gastfreundlich, aufgeschlossen und redefreudig. Egal ob im Restaurant – danke an dieser Stelle für die wirklich guten Empfehlungen unserer Kunden, wie haben in der Tat herrlich geschlemmt – wie auch im Tierpark Hagenbeck (Zoo in Hamburg), in der Hofreitschule Bückeburg und in Butjadingen (Nordsee-Halbinsel), wo wir eine kleine Lehrstunde in Sachen Wattenmeer erhielten.

Eine Kundin hatte ein komisches Bauchgefühl, dass irgendetwas mit den Hufen ihres Esels nicht stimmte. Der Hufschmied beruhigte sie aber stets und versicherte nachdrücklich, dass alles in Ordnung sei. Doch sie sollte Recht behalten, denn die Hufe zeigten, als Nina sich das näher ansah, Pilzbefall in der weißen Linie, wie auch in der Wand. Und da die Eckstreben nicht ausreichend gekürzt waren, wurde der Strahl massiv eingeengt – Strahlfäule war die Folge.

 

Der Packsattel, der schon bei mehreren Trekkingtouren zum Einsatz kam, stellte eine andere Kundin nicht zufrieden. Der Kreuzpacksattel verrutschte und bei der Beratung zeigte sich, dass er auch zu groß/lang war. Da wir verschiedene Packsattelmodelle dabei hatten, dessen Vor- und Nachteile wir vor Ort erklärten, fand sich am Ende ein optimal sitzender Packsattel, der Esel und Besitzer zufrieden stellte.

 

Ein interessiertes Paar buchte uns für das Esel-Einmaleins, denn diese Kunden hatten den Wunsch, sich Esel anzuschaffen. Wir schauten uns die Gegebenheiten vor Ort an und berieten Sie beim Stallbau, der Auslaufgestaltung, Fütterung, Eselkauf etc. und hatten ein gutes Gefühl, als wir den bereits tierfreundlichen Hof für Katzen, Hunde und Hühner wieder verließen. Wir stießen sowohl in Österreich als auch in Niedersachsen auf Eselhalter, die uns versicherten, dass Ihre Tiere gut ausgebildet seien (lassen sich gut führen, geben brav die Hufe, kennen den Hufschmied, kennen Packsattel etc.), doch diese Einschätzung entpuppte sich manchmal als Trugschluss. Denn der Esel, der spazieren geführt wurde, trottete in Wahrheit nur nebenher, und wenn es unterwegs brenzlig wurde, brachte er sich lieber in Sicherheit. Da mangelte es eindeutig an Erfahrung, Vertrauen und Führungsqualität. Denn nur weil der Esel brav nebenher geht, wenn ihm netterweise danach ist, kann man das nicht mit richtigem Führen gleichsetzen.

 

Der Esel, der angeblich brav die Hufe gab, tat dies nur, wenn er mit Futter beschäftigt wurde. Das Hufe geben hatte er also nie im klassischen Sinne gelernt, sondern nur in fressender Position geduldet – bis sein Geduldsfaden riss und er uns dann nach allen Regeln der Eselkunst austestete. Aber da hatte er sich die falschen Menschen ausgesucht. Wir hatten einen langen Atem und am Ende sah es dieser Esel auch ein. Jede Idee in Form von Steigen, Austreten, Wegdrängen, Zurückziehen, Zucken, Schnappen … beeindruckte uns nicht im Geringsten, und am Ende konnten die Hufe stressfrei fertig ausgeschnitten werden.

 

Der Hufschmied kam in vielen Fällen nur zwei- bis dreimal im Jahr. Die Dringlichkeit, die Hufe nicht nur täglich zu pflegen bzw. auszukratzen, sondern auch in kürzeren Intervallen (ideal alle vier bis acht Wochen) vom Fachmann korrigieren zu lassen, war vielen Besitzern nicht klar gewesen. Die Interessen gingen weit auseinander. Angefangen vom Eselkauf, Haltung und Fütterung, über Führtraining, Packsattelkunde, Anatomie, Eseltrekking, Bodenarbeit und Zirkustricks, bis hin zur richtigen Hufpflege, war diesmal wieder alles mit dabei.

 

Unsere Kunden ließen wir nach unserem Besuch aber nicht mit rauchenden Köpfen zurück, sondern gaben Tipps und „Hausaufgaben“ mit auf den Weg und stellten auch eine individuelle Themenmappe zusammen, damit die Beratung und das Training noch einmal in Ruhe nachgelesen werden konnte.

 

Da sich zurzeit die Anfragen im Raum Hessen massiv häufen, planen wir – das Team Nina-Judith – vom 10. bis 15. Juni 2016 Mitteldeutschland „zu rocken“. Natürlich würden wir auch andere Bundesländer/Länder besuchen. Je mehr Anfragen wir bekommen, desto sicherer, dass wir alsbald auch vor Ihrer Haustür stehen werden.

 

Text und Fotos:

Nina Heidenreich und Judith Schmidt

eMail: nina1082@web.de

www.ninashufpflege.de

eMail: schmidt.judith@gmx.de

www.eselworkshop.com